Damaskus
Kindheit am Webstuhl in der Altstadt, eigene Werkstatt im Elternhaus, der Aufbruch mit dem Orient-Express.
Herkunft & Bildung
Im Mai 1951 in Damaskus geboren, wuchs Adnan Wahhoud als sechstes von acht Kindern einer armen, bescheidenen Familie innerhalb der Altstadtmauern auf. Sein Vater arbeitete am Handwebstuhl, seine Mutter wickelte neben der häuslichen Arbeit die Schussspulen für diesen Webstuhl. Als Kind lehnte sich Adnan oft schläfrig an den Brustbaum des Webstuhls — beim regelmäßigen Geräusch fand er Ruhe. 1958 wurde er in der Grundschule angemeldet; ab dem vierten Schuljahr gehörte er zu den besten seiner Klasse. Damit ihm der weitere Schulbesuch gestattet wurde, arbeitete er nachmittags drei Stunden am Webstuhl seines Vaters — vier Ellen Kunstseide täglich, an schulfreien Tagen das Doppelte.
Technisches Gymnasium & eigene Werkstatt
1970 legte er als Erster in seiner Großfamilie das Abitur ab — mit Schwerpunkt Textilherstellung am technischen Gymnasium in Damaskus. Während des letzten Schuljahres gründete er bereits eine Werkstatt im Haus seiner Eltern, in der er Jacquardkarten für Möbelstoffe herstellte. Ein berühmter syrischer Textilingenieur riet ihm: „Geh nach Europa, um dort deinen Weg auf der Suche nach Wissen fortzusetzen.“
Der Weg nach Europa
Am 8. Februar 1971 verließ Wahhoud sein Heimatland mit drei Mitschülern. Mit dem Orient-Express ging es fünf Tage lang von Aleppo über Istanbul, Sofia, Belgrad und Graz nach Wien. Sein Startkapital: etwa 1.000 DM. In Wien lernte er Deutsch und arbeitete nachts in der Schneeräumung. Nach Bestehen der Aufnahmeprüfung wurde er an der RWTH Aachen im Maschinenbau immatrikuliert — finanzierte sein Studium mehrere Jahre als Zeitungsausträger von 4 bis 7 Uhr morgens. In der Bilal-Moschee auf dem Hochschulgelände begegnete er dem geistigen Mentor seines Lebens: Issam El-Attar.